Die 4 Grading-Kriterien erklärt: Centering, Corners, Edges, Surface
Wie bewerten PSA, BGS und ART Grading eine Sammelkarte? Die vier Kriterien Centering, Corners, Edges und Surface erklärt – mit typischen Abzügen.

Jede gegradete Karte wird auf vier Kriterien geprüft: Centering, Corners, Edges und Surface. Diese vier Werte bestimmen die finale Grade auf der Skala von 1 bis 10 – bei ART Grading genauso wie bei PSA, BGS oder CGC. Wer versteht, wie die Kriterien gewichtet werden, kann realistisch einschätzen, ob sich das Grading einer Karte lohnt.
Dieser Post erklärt jedes Kriterium mit konkreten Abzugsgründen, zeigt wie die Teil-Noten zur Overall Grade verrechnet werden und gibt dir Checks an die Hand, die du vor dem Einsenden selbst durchgehen kannst.
Warum vier Kriterien?
Eine Karte ist ein physisches Objekt mit vier möglichen Schwachstellen: der Druck kann verrutscht sein, die Ecken können abgestumpft sein, die Kanten können Chipping zeigen, und die Oberfläche kann Kratzer oder Druckfehler haben. Jedes dieser Probleme hat eine eigene Ursache – vom Druckprozess in der Fabrik bis zur Lagerung im Binder – und wird deshalb separat bewertet.
Das Vier-Kriterien-System ist seit den 90er-Jahren der Industriestandard. Es erlaubt eine reproduzierbare Bewertung: zwei Grader sollten bei derselben Karte ähnliche Teil-Noten vergeben, auch wenn sie sich nie gesehen haben. Mehr dazu in der ART Grading Bewertungs-Skala.
Centering – die Zentrierung des Drucks
Centering misst, wie symmetrisch der Kartendruck innerhalb des Kartenrands liegt. Bewertet wird das Verhältnis der Ränder gegenüberliegender Seiten, angegeben als Prozent-Verhältnis wie 55/45 oder 60/40.
Zwei Werte zählen:
- Front-Centering (Vorderseite) – meist strenger bewertet.
- Back-Centering (Rückseite) – bei PSA Teil der Overall Grade, bei BGS separat ausgewiesen.
Bei ART Grading messen wir die Zentrierung beider Seiten selbst aus dem Scan.
Typische Toleranzen
| Grade | Front-Centering | Back-Centering |
|---|---|---|
| 10 (Gem Mint) | max. 55/45 | max. 75/25 |
| 9 (Mint) | max. 60/40 | max. 90/10 |
| 8 (Near Mint) | max. 65/35 | max. 90/10 |
Centering ist der häufigste Grade-Killer bei sonst perfekten Karten. Gerade ältere Pokemon-Sets (Base Set, Neo-Serie) haben oft produktionsbedingt schlechte Zentrierung. Das kann man nicht reparieren – es ist, wie es aus der Druckmaschine kam.
Corners – der Zustand der Ecken
Corners bewertet die vier Ecken einer Karte. Ecken sind besonders anfällig, weil sie bei jeder Bewegung der Karte zuerst aufschlagen.
Typische Abzüge:
- Whitening – die weisse Papier-Innenschicht wird an der Ecke sichtbar, wenn die Farbschicht abblättert.
- Abstumpfung – die Ecke ist nicht mehr spitz, sondern leicht abgerundet.
- Dings – kleine Einkerbungen oder Eindellungen durch Stösse.
- Bending – die Ecke ist leicht geknickt, auch wenn sie zurückgedrückt wurde.
Corners werden unter 10-facher Vergrösserung geprüft. Was mit blossem Auge unsichtbar ist, kann unter der Lupe eine Note kosten. Holo-Karten sind besonders kritisch: die Holo-Schicht reflektiert anders, sobald die Ecke minimal beschädigt ist.
Edges – der Zustand der Kanten
Edges sind die vier geraden Strecken zwischen den Ecken. Sie werden separat bewertet, weil die typischen Schäden andere Ursachen haben als bei den Ecken.
Häufige Abzüge:
- Chipping – kleine Ausbrüche entlang der Kante, oft bei Folienkarten.
- Whitening entlang der Kante – typisch bei schwarz-gerandeten Karten (viele Yu-Gi-Oh!-Karten).
- Abrieb – die Kante ist rau oder zeigt Mikro-Risse vom Herausziehen aus dem Sleeve.
- Wellung – die Kante ist nicht mehr ganz plan.
Bei schwarz-umrahmten Karten – Magic Reserved List, Yu-Gi-Oh! 1st Edition – ist Edge-Whitening der wichtigste Grade-limitierende Faktor. Selbst minimales Whitening ist auf schwarzem Rand sofort sichtbar.
Surface – die Oberfläche
Surface bewertet die Front- und Rückseite der Karte ausserhalb der Ränder. Das ist das Kriterium mit den meisten möglichen Abzugsgründen.
Was geprüft wird:
- Kratzer – feine Linien durch Reibung, besonders auf Holo-Flächen sichtbar.
- Print Lines – produktionsbedingte Linien aus dem Druckprozess.
- Print Dots – kleine Farbpunkte an falscher Stelle.
- Daumen-Abdrücke – Hautfett auf der Oberfläche, oft erst unter Schräglicht sichtbar.
- Scratches auf der Holo-Schicht – irreparabel und sehr streng bewertet.
- Wellung (Warping) – die Karte ist nicht ganz plan, oft durch Feuchtigkeit.
- Indentations – Abdrücke von Schrift oder Gegenständen.
Surface ist das Kriterium, bei dem du als Sammler am meisten Einfluss hast: Sleeve plus Toploader vom Tag eins an verhindert die meisten Surface-Probleme. Mehr zur richtigen Lagerung findest du unter wie der Grading-Prozess abläuft.
Wie die Teil-Noten zur Overall Grade werden
Die Gewichtung ist nicht der arithmetische Durchschnitt. Standardpraxis:
- Schwächstes Kriterium dominiert. Eine Karte mit drei Mal 10 und einem 8er-Wert bei Centering wird oft nur Grade 9, nicht 9.5.
- Centering ist typischerweise am kritischsten für die höchsten Grades (10). Corners und Edges werden bei 8er und 9er-Grades entscheidender.
- Surface ist bei Holo-Karten kritischer als bei Non-Holos.
Bei BGS gibt es zusätzlich eine Pristine-10 (Black Label), die nur vergeben wird, wenn alle vier Teil-Noten 10 sind – das ist statistisch extrem selten.
Bei ART Grading ist die Gesamtnote das geometrische Mittel der vier Subgrades, gerundet auf halbe Schritte. Ein schwaches Kriterium zieht die Note dabei stärker nach unten als bei einem einfachen Durchschnitt. Vorder- und Rückseite werden einzeln benotet, die schlechtere Seite zählt. Sind alle vier Subgrades eine 10 und bestätigt unsere Zentrierungsmessung das, heisst die Karte bei uns Pristine.
Was du vor dem Einsenden selbst checken solltest
Bevor du eine Karte zu ART Grading schickst, prüfe diese Punkte unter guter Beleuchtung und am besten mit einer 10x-Lupe:
- Centering visuell abschätzen – Karte auf schwarzem Untergrund, Ränder vergleichen.
- Alle vier Ecken einzeln prüfen – Whitening, Abstumpfung.
- Kanten gegen Licht halten – Chipping und Wellung erkennen.
- Surface unter Schräglicht – Kratzer und Daumen-Abdrücke werden sichtbar.
- Rückseite nicht vergessen – gerade hier überrascht Back-Centering oft negativ.
Wenn drei oder mehr Kriterien klar unter Grade 8 liegen, lohnt sich das Grading für die meisten Karten wirtschaftlich nicht. Orientierung zu Preisen gibt die ART Grading Preisliste.
Fazit
Die vier Grading-Kriterien sind keine willkürliche Note, sondern ein reproduzierbares System. Centering bewertet den Druck, Corners und Edges die Kontur, Surface die Flächen. Die schwächste Teil-Note bestimmt meist die Overall Grade – wer also auf eine hohe Grade zielt, achtet bei jedem Kriterium auf den niedrigsten möglichen Abzug, nicht auf den Durchschnitt. Mehr Details zur ART-Skala findest du in den häufig gestellten Fragen.




